Wie ein Hauch von Poesie...

senken sich Sagen - Vergleichbar dem kunstvollen Filigran von Spinnweben - auf unsere Heimatfluren. Geheimnisvolle Schleier umranken alte Mauern und Türme, lagern über Wiesen und Feldern, durchweben Büsche und Bäume und lassen auf sonnendurchfluteten Waldlichtungen Tautröpfchen des Altweibersommers ergleißen...

Genießen Sie die Sagen aus der alten Herrschaft Schlitz!

Die Ahnfrau in der Hallenburg

Geschrieben von Heinrich Sippel

In der Zeit, als man noch Eichelkaffee trank, der mit Runkelrüben-Zichorie gefärbt war, soll in der Hallenburg eine weiße Frau über die Stiegen gehuscht sein, die wohl eine um das Schlitzer Grafengeschlecht sehr besorgte Ahnfrau gewesen ist, der durch Gottes unerforschlichen Ratschluss die Ruhe des Grabes versagt geblieben war.

Jedes Mal, wenn in der herrschaftlichen Familie ein Kind zu erwarten stand, konnte man die weiße Frau in freudiger Geschäftigkeit mit einem großen Schlüsselbund - einer sorgsamen Hausfrau gleich hin- und herhuschen sehen. Bevorstehende Todesfälle kündigte sie an, indem sie große Traurigkeit zur Schau trug. Sie kleidete sich dann mit einem schwarzen Schleier und mit schwarzen Handschuhen.

Die graue Frau in der Ottoburg

NebelschleierGeschrieben von Heinrich Sippel

Auch in der Ottoburg trieb es angeblich eine ähnliche Sagengestalt um, die allerdings in graue Gewänder gehüllt war. Vor etwa hundert Jahren soll sie zum letzten Mal gesehen worden sein, bevor sie in einer geschlossenen Wand für immer verschwunden sei.

Das Kindsopfer in der Hinterburg

Geschrieben von Heinrich Sippel

Ein Opferglaube beim Bau von Burgen, Schlössern und festen Herrensitzen hat auch in der Schlitzer Hinterburg eine "Bauopfer"-Sage entstehen lassen. Hier soll ein Knäblein und zwar der Eltern einziges Kind lebendig eingemauert worden sein.

Die Frevelhaftigkeit dieser Tat hat bewirkt, dass es heute an der Stelle, an der das Knäblein sein Leben ausgehaucht hat, unheimlich und nicht geheuer ist. In den hinteren Räumen der Burg hört man es in frostklaren Nächten herzerbärmlich schreien und jammern. In früheren Zeiten, als man sich abends noch mit Kerzenlicht seinen Weg auf den Treppen zu den oberen Stockwerken suchen musste, kam es häufig vor, dass das Licht plötzlich gelöscht wurde, ohne dass auch nur der geringste Luftzug zu verspüren war.

Der wundersame Gesang über den Wassern

Geschrieben von Heinrich Sippel

Im Schlossgarten zu Schlitz fließt der Schlitzfluss langsamer als anderswo. Hier ist er besonders tief und breit.

In Vollmondnächten kann man dort angeblich einen wundersamen, fast überirdischen Gesang vernehmen. Niemand weiß, woher die himmlischen Sphärentöne kommen. Vermutlich sind es schöngesichtige Wassernymphen, die dort im Ufergebüsch sitzen, ihr goldwallendes Haar im Mondlicht kämmen und dazu die lieblichen Weisen singen. Gesehen hat sie noch niemand. Manche Neugierige sollen es schon versucht haben, dem Sphärenklang nachzugehen. Doch jedes Mal, wenn sie sich dem Ufer genähert hatten, sei der Gesang plötzlich verstummt.