Die Mode bleibt Sieger

Brautwagen
Schlitzerländer Brautwagen. Auf dem Brautwagen wurde die gesamte Aussteuer der Braut verpackt, wenn sie in ein anderes "Werk" geheiratet hatte. Die Brautwagen wurden vierspännig vom Sattel aus gefahren. (Trachtenfest 1961)

Mit den Volkstrachten ist es wie mit den Baustilen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam bei beiden der große Wandel. Bis dahin galten sowohl in der Architektur als auch bei der Männer- und Frauenkleidung des Landvolks feste Formen. Dann folgte die Auflösung. Man baute nicht mehr nach Stilen, und man trug auch nicht mehr die altgewachsenen Trachten. Die „Mode" kam zum Durchbruch. Jeder kleidete sich und baute jetzt nach dem augenblicklichen Zeitgeschmack, der sich kurzfristig änderte und sich den wechselnden Bedürfnissen der nun hektischer werdenden Jahrzehnte anglich.

Durch den Bau von Straßen und Eisenbahnen kamen die Bauern der abgeschiedenen Gegenden, in denen sich die Volkstrachten am längsten hielten, über den Bereich ihres Dorfes und seiner engeren Umgebung hinaus. Sie lernten die neue individuelle und bequeme Bekleidungsweise der Städter kennen. Sie fühlten sich von Jahr zu Jahr mehr als Menschen, die nicht mehr in die Zeit passten. Oft wurden die Trachtenträger auch zum Gespött ihrer Zeitgenossen.

Die Männer hatten im Schlitzerland schon um das Jahr 1870 ihre Tracht in den Schrank gehängt. Etwa 50 Jahre später begannen auch die jungen Mädchen und Frauen, ihre bunten Trachtenröcke abzulegen. Dieser Vorgang war in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts nahezu abgeschlossen, das heißt das dörfliche Leben wurde von dieser Zeit an nicht mehr von der Tracht geprägt. Die älteren Frauen, die ohnedies nur noch „in Schwarz gehen", sind vereinzelt heute noch die letzten Trachtenträgerinnen auf dem Lande.