Die Schatzgräber vom Kötzenberg

BrunnenreliktDie "Fuldische Straße", die auch "Fulder Pfad", "Töpferpfad" oder "Fischerpfad" genannt wurde, führte als uralter Verbindungsweg von der später gewüsteten Steinmühle am Ausgang des Breitenbachtälchens im Fuldatal zwischen Fraurombach und Pfordt über den "Schillwald" zum Glasebachtälchen bei Kämmerzell. An dieser Schildawaldstraße lag als bedeutsamste Siedlung der Burgsitz auf dem "Kötzenberg", der wohl Sicherungsfunktionen an diesem Fernweg hatte. Heute - rund 600 Jahre nach dem Wüstfall - sind dort nur noch die Reste eines Brunnens, ein angedeutetes Mauerstück sowie Spuren von Immergrün erhalten, das, wenn es in Geraden und Rechtwinkeln wächst, auf Kalkverputz hinweist, der von ehemals dort stehenden Gebäudewänden gefallen ist.

Die Wüstungsstätte Kötzenberg atmet zutiefst Geschichtlichkeit. Und wo die Historie einst gewachsen ist auch die phantasierende Volksseele nie fern. So ist auch der Kötzenberg überzogen von einem Geranke der Sagenhaftigkeit. Eine höchst kuriose Schatzgräbergeschichte hat sich - wenn man der Sage folgen will - hier oben unweit des einstigen Burgsitzes und nur wenige Meter von der ehemals fuldischen Grenze entfernt abgespielt.

 

Landauf, landab war einst bekannt, dass im "Geldloch" am Kötzenberg, einem alten Grenzzeichen, ein bedeutender Schatz ruhe. Dies ließ einige Pfordter Bauern nicht ruhig schlafen. Sie beschlossen, diesen Schatz zu heben. Die abergläubigen Landleute beachteten alle Regeln der Schatzgräberei. Schlag zwölf Uhr begannen sie stillschweigend zu graben, denn bei solchen Unternehmungen durfte kein Wort gesprochen werden, sollte das Ding gelingen. Schon nach kurzer Zeit kamen drei Gestalten aus dem Wald auf sie zu. Die eine ritt auf einem Esel, die andere auf einem Geißbock und die dritte auf einem Schafbock. Die drei seltsamen Reitersleute redeten die im Schweiße ihres Angesichtes arbeitenden Schatzsucher an, um sie zum Sprechen zu bringen.

Doch vergebens! Als die Störenfriede verschwunden waren und die Abenteurer den Schatz auf dem Boden des ausgehobenen Loches bereits gleißen sahen, kam ein altes verhutzeltes Weibchen auf einer "Frechdmehsd" (=altes Fruchtmaß, das eine bestimmte Menge Korn aufnahm) angeritten. Sie fragte die Schatzgräber, die gerade im Begriff waren, den Fund zutage zu fördern, beiläufig: "Sind die anderen schon lange vorbei?" Da antwortete einer der Abenteurer: "Deh krehsde ned meh!" (Die holst du nicht mehr ein!). Da war es geschehen! Der Schatz sank unter donnerndem Getöse zurück in die Versenkung.

Keinem Menschen ist es seitdem noch einmal gelungen, ihn erneut aus dem Geldloch ans Tageslicht zu bringen. - Der alte Forstschütz hatte noch die Stelle gekannt, wo die Laterne der Schatzgräber gehängt und den Ast angesengt hatte.

(Fischer, Studien zur Schlitzerländer Geschichte I, S. 66 u. 73ff; Michel, So Leut' sein mir in Vogelsberg und Schlitzerland, S. 189; Hotz, Die Flurnamen der Grafschaft Schlitz; Schlitzer Bote vom 28.12.1963; Auskunft Heinrich Hohmann, Michelsrombach)

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