Die Geiß

Geschrieben von Heinrich Sippel

Dass Schlitzer Schuljungen sich selbst von ihren Lehrern nichts vormachen lassen, bewies der kleine "Drehs" (=Andreas) aus der "Leimkutt" (heute: Salzschlirferstraße).

Da hatte der Lehrer eines Tages wunderschöne große Tierbilder mitgebracht. Die Buben und Mädchen mussten raten, welche Tiere darauf dargestellt waren. Sie wussten alles: Das Kamel, das Pferd, der Elefant, die Kuh usw. Und dann kam der Drehs dran. Voller Überzeugung sagte er: "Herr Lehrer, das es e Geiß". Und wie verblüfft war der Junge, als der Lehrer richtig stellte: "Andreas, das ist eine Ziege!" Nochmals gab Drehs seinen Bedenken Ausdruck, doch dann resignierte er und wiederholte: "Das ist eine Ziege".

Zu Hause angekommen, informierte er seinen Vater wie folgt:

"Vadder, de Lehrer hadd ôns hidd Belder gewehse. Dôh wôhr au eins drenger, dôh hôn ich gesôhed, es wär e Geiß. Ähr äwwer meind, es wär eine Ziege! - Vadder, bänn ich mersch so rähchd ihwerläh: es wôhr doch e Geiß!"

(Vater, der Lehrer hat uns heute Bilder gezeigt. Da war auch eines darunter, bei dem ich gesagt habe, es sei eine 'Geiß'. Er aber war der Meinung, es sei eine Ziege. - Vater, wenn ich mir das so recht überlege: es war doch eine 'Geiß'!)