Die jüdische Zuwanderung

In den Jahren 1869ff ließen sich 15 jüdische Geschäftsleute mit ihren zeitweilig rund 85 Familienangehörigen in Schlitz nieder.
Im Schrifttum wird behauptet, 1871, also bereits zwei Jahre nach der Gleichstellung, hätten schon sieben jüdische Familien in Schlitz Wohnung bezogen gehabt. Völlig aus der Luft gegriffen scheint die Zahl nicht zu sein.

Unzweifelhaft war der Textilhandelsmann Michael Cahn aus Grebenau der erste, der die sich schon 1866 abzeichnenden neuen Freiheiten für sich in Anspruch nahm. Cahn kaufte das Wohnhaus Im Grund 3 in Schlitz. Schon am 26. Juni 1867 erhielt er vom Großherzoglichen Kreisamt Lauterbach die Bauerlaubnis für die Errichtung eines Verkaufsladens mit Umänderung der Eingangstüre und der Fenster erteilt. Cahn scheint auch der "hiesige Jude" gewesen zu sein, der sich 1873 an einem Schatzfund "Im Grund" beteiligt hatte.
Um die Jahrhundertwende war der Judenzuzug nach Schlitz im wesentlichen abgeschlossen. Die 15 Schlitzer Judenfamilien waren alle aus dem unmittelbaren Umkreis der Grafschaft Schlitz direkt von jenseits der jeweiligen Grenze gekommen:

  • aus Langenschwarz allein: 8 (= 53,3%),
  • aus Grebenau 5 (= 33,3%) und
  • je eine aus Niederaula und
  • aus Breitenbach.

Die Zuwanderung der Juden in die Standesherrschaft Schlitz vor der Jahrhundertwende war also fast ausschließlich eine Angelegenheit der Langenschwärzer und Grebenauer Israeliten.

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