Der Weinkauf ("Wihkauf")

Geschrieben von Heinrich Sippel

In der letzten Folge dieser Artikelserie berichtete ich über die vom Rat der Stadt bestellten Lademänner, die die Aufgabe hatten, an der Vorbereitung der Ehrenzechen (Hochzeiten, Verlöbnissen, Kindstaufen und sonstigen familien- und schuldrechtlichen Vertragsabschlüssen) mitzuwirken. Soweit die Lademänner am Zustandekommen von Ehebündnissen beteiligt waren, nannte man sie auch Hochzeitslader oder Freiersleute. Soweit sie die Abwicklung von Schuldrechtsverhältnissen betrieben, wickelten sie die Bierzechen und Weinzechen ab, je nachdem ob sie für ihre Tätigkeit mit Bier oder Wein (Weinkauf, "Wihkauf") abgegolten wurden.

Der Weinkauf galt von altersher als Handgeld des Lademannes bei Geschäftsabschlüssen. Er wurde symbolisiert durch einen Umtrunk mit den Vertragsparteien. (Mackensen, Deutsches Wörterbuch, Süd-West Verlag München, S. 1002)

1672 wurden Hans Werner Rodt und Simon Schilling als Aufwärter bei Ehrenzechen bestellt.

1707 wurde Johann Balzer Deller "Aufwärter und Lademann für bei gemeiner Stadt vorfallende Ehrenzechen". (Die Herrschaft hielt in jenem Jahr in ihren Schenken einen eigenen Lademann!)

1769 starb der "Bürger-Läder" Johann Heinrich Deller. "Als Läder und Aufwärter bei den Ehrengelagen" wurde Johann Kaspar Krezer angenommen.

1707 wurde Johann Balzer Deller vom Amtmann der Herrschaft im Beisein des Stadtschreibers und des Bürgermeisters Spamer auf folgende Gebühren festgelegt:

2 albus vom Bräutigam oder vom Kindsvater
2 albus von der Braut oder vom Großgevatter
3 albus und 6 Pfennig Weck aus der Ehrenzeche
3 albus von dem Wirt, der die Ehrenzeche gehabt hat.
10 albus.

1769 betrug das Entgelt für einen "Bürger-Läder"

von der Hochzeit: 12 Kreuzer
vom Weinkauf zu laden: 8 Kreuzer
von einer Taufe zu laden: 8 Kreuzer
aus der Zeche oder Weinkauf: 6 Kreuzer
von dem Wirt, der das Getränk stellt: 6 Kreuzer
ferner Brot, Weck und Bier wie ein anderer Gast.