Vom Linze und Lusse

Geschrieben von Heinrich Sippel

Das heimliche Zuschauen heisst bei uns in Schlitz "linze" (=lunzen), das heimliche Zuhören "lusse" (=lauschen).

Wen man über's Ohr gehauen hat, ist "bedubschd" worden; wen man gequält hat, ist "trischakierd" (=getrischackert, geprügelt) worden. Wer "en Ôlwel" genannt worden ist, weil er dummes Zeug "gefaseld" (=Belangloses reden) hat, ist meist "verkrômbeld" (=beleidigt).

Beim Ziehwägelchen wird hinten "geschorrd" (=schirre, schieben) und vorne "gedonze" (=ziehen).

Eine der geheimnisvollsten Wortschöpfungen der Schlitzer Mundart ist das Wort "bisbele". Es bedeutet einmal "leise sprechen", zum anderen aber auch "besprechen". Bei allen Handlungen, deren Erfolg von zukünftigen Entwicklungen abhängt, wird in Schlitz "gebisbeld", z. B. beim Salat pflanzen ebenso wie beim Decken der Geiß, damit beides gelingen möge.