Viehhaltung auf dem Schlitzer Marktplatz

Ohne Viehhaltung auch innerhalb der Altstadtmauern kam eine Ackerbürgerstadt wie Schlitz nicht aus. Stinkende Misthaufen gehörten daher ebenso zum Stadtbild wie gassenverschmutzende Schweine. Das Mistlagerungsrecht in den engen Gassen auf und um den Markt wies existentielle Züge auf. Das Stadtregiment legte Wert darauf, dass der Mist unmittelbar vor den Haustüren und nicht auf dem Gassentrakt selbst gelagert wurde. Dies führte oft zu heftigen Streitfällen. Häufig musste der Rat als Baupolizei zur Augenscheinseinnahme und Steinsetzung für die Mistlagerungsrechte auftreten.

So am 21. Februar 1634: "Lautes Geschrei der Weiber" rief den Rat und der Junker Diener (=Beamter der Junker) auf den Plan.

Die Entscheidung lautete, der Mist solle unmittelbar vor der inkriminierten Haustür gelagert werden, da die Gassen ohnedies zu eng seien.
(Stadtarchiv Schlitz XV/8/2; renoviertes Stadtprotokoll fol. 194)

Marktplatz
So geordnet und gesäubert wie auf dieser stilisierten Federzeichnung (Prof. Richard Throll um 1950), war der Schlitzer Marktplatz in vorvergangenen Jahrhunderten nicht. Es stank bestialisch in der Enge der Gassen. Die Misthaufen reichten bis an die Haustüren.
Foto: 2.3.1990 

Marktplatz
Der Marktplatz in Schlitz in seinem ungepflegten Zustand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Abbildung lässt die Zeit erahnen, in der Schweine und sonstiges Kleinvieh die Winkel und Hausflure belebten und dampfende Misthaufen die engen Vorplätze versperrten.
(Foto: Heimatmuseum)

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