Trachten aus dem Hessenland

Am Beispiel der hessischen Volkstrachten kann man gut erkennen, dass es die ehemals unzugänglichen und abgelegenen, vom Verkehr vernachlässigten, meist kargen bergigen Gebiete waren, in denen sich die überkommenen Kleidungsformen am längsten hielten und in denen auch heute die Bereitschaft zur Pflege der der Vergangenheit angehörenden Bauerntrachten noch am stärksten vorhanden ist. Es sind die Landstriche der Schwalm, der Rhön, des Vogelsberges, des Odenwaldes, des Schlitzerlandes, sowie des Gießener und Marburger Hinterlandes, in denen nach den „Bauernbefreiungen" des vorigen Jahrhunderts für einige Jahrzehnte durch zunehmenden Wohlstand der Bauern eine hohe Zeit für die heimische Volkstracht anbrach.

Die meist kostbaren Bauerntrachten werden von den Jungen und Mädchen aus den Trachtengebieten Hessens auf den Trachtenfesten in Schlitz gezeigt. Großen Beifall finden die Schwälmer Gruppen aus Seigertshausen, Antriffttal/Ruhlkirchen und Trutzhain, die mit ihrem berühmten „Schwälmertanz" („Hopsa, Schwälmer Liesje, hopp e bißje") den Beifall immer auf ihrer Seite haben. Durch ihre meist blaurote Farbenpracht zeichnen sich auch die Gruppen des Gießener und Marburger Landes aus, wie zum Beispiel die Musik-, Gesang- und Tanzgruppe aus Rüddingshausen bei Gießen. Immer wieder gern gesehene Gäste sind auch die Gruppen aus dem „Landecker Amt" {nördliche Rhön), die aus Schenklengsfeld und Lautenhausen kommen. Der Odenwald war durch die Erbacher Gruppe „Hans von der Au" (ehemaliger Volkstanzforscher) mehrmals bei Trachtenfesten vertreten. Die Odenwälder sind unverkennbar durch die schnallenbeschuhten Männer mit ihren Schoßröcken. In strenger Schwärze tritt der aus Herbstein im Vogelsberg stammende Hochzeitszug auf. Herbstein, eine ehemalige Exklave des Klosters Fulda im sonst evangelischen Vogelsberg, unterscheidet sich durch seine strenge Tracht wesentlich von den Bauernkleidern der Umgegend.

Aber auch in Städten kann bäuerliches Brauchtum gepflegt werden. Das beweist die „Adalbert Stifter Gruppe" aus Darmstadt, die mit ihren sehenswerten Bändertänzen zu begeistern weiß. Zum festen Programm der Schlitzer Trachtenfestzüge gehören schließlich auch die farbenfrohen Trachten der „Egerländer Gmoi 'z Schlitz". Die Egerländer, die vor über 30 Jahren ihre alte Heimat verloren haben, pflegen ihre Tradition in der neuen Heimat weiter.