Kleiderordnungen der Vergangenheit

Trachtenträgerinnen aus Schlitz
Trachtenträgerinnen aus Schlitz. In "stolzer" Tracht mit Faltenrock, Strickmotzen und Haube. Die Hauben, dei "Kappen" genannt werden, gehörten im 19. Jahrhundert zur Grundausstattung der Schlitzer Tracht. Foto: Oskar Diegelmann

Schon in den Zeiten der mittelalterlichen Lehnsherrschaft galt als ungeschriebenes Gesetz, dass sich die Edelleute mit kostbareren Kleidern schmücken durften als die Stadtbewohner und diese sich wieder mit besseren Tuchen kleiden konnten als die Bauern. Später erließen die Landesherren häufig Kleiderordnungen, die genau bestimmten, „wie man sich zu tragen hatte". Bekannt sind die sächsischen Kleiderordnungen, die bis heute noch nicht formell aufgehoben sind. Landgraf Wilhelm II. von Hessen, der Vater Philipps des Großmütigen, hatte in einer Verordnung um das Jahr 1500 für das Hessenland bestimmt, dass Bauern und deren „Weiber" nur „gemeines" Tuch verwenden durften, das pro Elle nicht mehr als 10 Weißpfennige kostete.

In dem bis 1806 selbständigen Territorium der Herren von Schlitz gab es keine schriftlichen Kleidervorschriften. Hier galt kraft Gewohnheitsrecht eine „übliche Ordnung nach Landesbrauch". Die Bauern durften nur ärmlich gekleidet gehen. Den Bürgern von Schlitz war es erlaubt, bessere Gewänder zu tragen. Sie durften sich aber nicht so aufwendig kleiden wie die Herrn von Schlitz und deren Höflinge.

Bemerkenswert in der geschichtlichen Entwicklung des Trachtenwesens ist, dass die Edelleute als erste eine modische und zweckmäßige Kleidung auswählten. Daraufhin kopierten die Bürger der Städte vorübergehend die Prunkgewänder der Nobelleute. Doch auch bei ihnen setzte sich bald die Mode durch. Nur der Bauer blieb - weil er arm war - zunächst noch lange bei seinem billigen Tuch. Erst mit der Zeit - insbesondere nach den Stein-Hardenbergschen „Bauernbefreiungen", die sich im Schlitzerland etwa um das Jahr 1830 auswirkten - wurde die Tracht des Landmannes bei festlichen Ereignissen gediegener, die der Jugend bunter und farbenprächtiger. Sie erreichte im Schlitzerland Mitte des 19. Jahrhunderts ihren höchsten Stand.

Firwes
Schlitzerländer "Bortefirwes". Bunt bestickte, mit Borten und Bändern versehene, gestrickte Fußbekleidung der Frauen mit grobleinener Steppsohle.